Alles andere kann warten, oder doch nicht?

Kennen Sie das nicht auch? Man beschäftigt sich mit einem Thema oder einer wichtigen Angelegenheit. Doch dann kommt jemand ins Büro oder Arbeitszimmer – dabei muss es sich nicht unbedingt um einen Kollegen handeln, auch Familienmitglieder können gemeint sein – und unterbricht Sie in Ihrer Tätigkeit? Aus Höflichkeit, Freundlichkeit oder weil Derjenige es simplerweise geschafft hat, Sie in Ihrer Tätigkeit zu unterbrechen, lauschen Sie den Worten, Bitten – oder was auch immer – Ihres Gegenübers und konzentrieren sich auf ihn. Ihre vorherige Aufgabe scheint schon vergessen.

Die Angelegenheit Ihres Gegenübers scheint dann so wichtig zu sein, dass Sie alles andere verschieben. In der Richtung: „Das kann ich auch später erledigen.“ Aber wann ist später? Und kostet es nicht viel mehr Zeit sich in das ursprüngliche Thema wieder einzuarbeiten, sich darin erneut einzulesen oder sich erneut, mit diesem Thema vertraut zu machen? Sicherlich werden Sie diese Frage mit einem JA beantworten.

Wenn man also nicht gleich auf das Anliegen seines – sagen wir – „Störenfrieds“ eingeht, sondern zu allererst darum bittet, später wieder zu kommen, wenn man seine jetzige Aufgabe erledigt hat oder gleich einen gewissen Zeitrahmen zu setzen, demzufolge genau vorgibt, wann man sich einer anderen Aufgabe widmen kann, wäre man dann nicht wesentlich produktiver?

An sich sprechen wir alle die gleiche Sprache, dann aber wiederum doch nicht. Denn auch wenn man seinem Gegenüber mitteilt, man kann jetzt nicht auf ihn eingehen, setzt manchmal gleich das schlechte Gewissen ein oder dem „Störenfried“ brennt das eigene Thema so dermaßen auf der Seele, dass er gar nicht anders kann, also nicht auf Ihre Bitte einzugehen, sondern einfach sofort von seinem Anliegen erzählt oder worin er denn so dringend seine Hilfe benötigt? Handelt es sich dann nicht um emotionales Aufdrängen, nur weil er selbst nicht möchte, dass seine Gedanken weiterhin um das Thema kreisen?

Ich gehörte auch immer zu einer Derjenigen, die sich immer sofort die Anliegen und Probleme anderer angehört hat, doch hat mich dies in meiner Erledigung meiner Aufgaben sehr zurückgeworfen und mich dementsprechend mehr Zeit gekostet, als ich es im Vorfeld kalkuliert hatte. So entstehen aber gewöhnlich die Überstunden.

Doch mit gewissen „Konferenzzeiten“ kann man auch den Menschen, die einem Geschehnisse oder über Aufgaben berichten wollen, einen Zeitpunkt verschaffen, wann es am Günstigsten ist, den Arbeitsalltag zu „unterbrechen“. So kann man demjenigen mit voller Konzentration zuhören und sich seinem Problem annehmen. Derjenige fühlt sich dann auch wesentlich besser verstanden und kann sicher sein, richtig verstanden worden zu sein. Einem selbst ermöglicht es, trotzdem die wichtigsten und denkintensiven Prozesse durchzuarbeiten und in der vorgesehenen Zeit zu erledigen.

Als Texterin ist es für mich von hoher Wichtigkeit, dass ich mich vollkommen auf das Erstellen von Texten konzentrieren kann. Auch das Einlesen in ein Thema funktioniert am Besten, wenn ich mich voll und ganz auf das Thema einlassen kann. Besonders essenziell ist es beim Korrekturlesen, nach der Fertigstellung eines Artikels: Sozusagen kann ich am Schnellsten einen Text schreiben, wenn ich mich komplett auf das Thema und den Text einlassen kann, ohne ein Geplapper von anderer Seite aufnehmen zu müssen.
„Konferenzzeiten“ oder festgelegte Zeiten, in denen klar ist, wann die „Meisterin“ bei der Arbeit ist, sind dann tabu für andere Mitarbeiter, Familienmitglieder, aber auch für Telefonanrufe.

Jeden der Beteiligten ist damit geholfen – vorausgesetzt beide Parteien halten sich auch daran! 😉
Ausnahmen gibt es natürlich immer wieder, doch ist (fast) nichts so wichtig und dringend, dass es nicht für ein paar Stunden warten kann. Es sei denn, jemand steckt in Lebensgefahr, aber das sollte eher seltener der Fall sein, so hoffe ich doch.

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