Downshifting und der unmittelbare Weg in die Selbstständigkeit

Werte und Sinn an den Beruf und das Leben anpassen

Werte und Sinn an den Beruf und das Leben anpassen © Zach Dischner / Foter / CC BY

Mit dem Begriff hatten Sie vielleicht schon zu tun: Downshifting wurde in den Medien immer öfter in den Mund genommen. Denn der Wunsch im Beruf kürzerzutreten, mehr Zeit für die Familie oder für sich selbst zu haben, wird immer lauter. Aber was ist Downshifting und was bedeutet es im Speziellen?

Downshifting ist bewusstes Runterschalten. Viele Menschen kommen in ihrem Leben an einem Punkt, der sie über ihr Leben nachdenken lässt. Sie erkennen dann, dass ihr Leben nicht dem entspricht, was sie tatsächlich tun wollen. Von außen betrachtet leben sie ein schönes Leben, aber heißt das nicht, dass sie tatsächlich glücklich sind.

Sie finden in ihrem Job keinen Spaß, können dem nicht mehr den Sinn geben, der sie vielleicht früher erfüllt hat. Sie möchten etwas anderes machen, selbst wenn sie sich viele Jahre dem Klettern auf der Karriereleiter gewidmet haben. Sie wünschen sich eine Veränderung, wünschen sich mehr Zeit für ihre Leidenschaften und Interessen. Das führt viele Menschen mitunter in die Selbstständigkeit, raus aus dem Hamsterrad.

Downshifting heißt nicht automatisch weniger Arbeit

Downshifting wird gerne damit einher gesetzt, dass man sich weniger Arbeit aussetzt. Ebenso wird eine derartige Neuorientierung mit einem Rückfall oder einem Rückgang im eigenen Lebensweg suggeriert. Es kommt der Gedanke auf, dass man sich selbst herabsetzt, seine bisherigen Vorgehensweisen über den Haufen wirft und bewusst einen Neuanfang startet.

Dabei geht es mit einer bewussten Entscheidung einher, anfangs mit weniger Einkommen auszukommen und seine Karriere auf einen anderen Weg zu führen. Mit einer Neuorientierung macht man sich seine eigenen Werte und Ziele des Lebens neu bewusst, aber ist das nicht negativ, sondern ein großer Schritt nach vorne.

Im Leben verlieren wir oftmals den Blick dafür, was uns wichtig ist

Mit dem Studium oder der Ausbildung geht man einen bestimmten Karriereweg. Während uns Arbeitgeber wie eine Schablone zur perfekten Arbeitskraft formen, verändern sich mit den Jahren die eigenen Werte und was wir vom Leben erwarten. Dennoch verpassen wir es oftmals, diese Anpassungen selbst vorzunehmen und die eigene Karriere danach auszurichten.

Natürlich sind Gehaltssteigerungen verlockend, womit sich automatisch der Lebensstandard steigert. Wir fügen uns immer besser in die vorgesehenen Systeme ein. Wir funktionieren aber nur, setzen uns der Pflicht aus, immer schneller, besser und allzeit erreichbar zu sein. Die Verantwortung erhöht sich und immer größere Aufgaben sind zu erfüllen. Machen wir unsere Aufgabe gut, gehen wir den Weg weiter nach oben.

Das Hamsterrad hat uns in dem Moment schon sehr stark erfasst. Ein anderes Leben ist kaum vorstellbar. Dann folgt ein einschneidendes Ereignis, das die vergessenen Werte wieder zum Vorschein bringt. Wir erkennen die Unzufriedenheit, sehnen uns nach Ruhe und vor allem nach mehr Zeit für uns selbst. Es folgen die Erkenntnis und der Wunsch, etwas zu ändern. Denn so soll es ganz bestimmt nicht weitergehen.

Wofür brennen Sie? Wie erkennen Sie Ihre Leidenschaften?

Was wünschen Sie sich wirklich für Ihre Leben und wie können Sie sich die Ziele setzen, die Ihnnen für die nächsten Jahre tatsächlich wichtig sind? Schreiben Sie alles auf!

Mit der Ruhe und dem bewussten Nachdenken nehmen wir uns die Zeit, herauszufinden, was wir wollen. Das Aufschreiben ist ein Allroundmittel, das zur Persönlichkeitsentwicklung unterstützt, aber auch bewusst machen kann, was Sie sich für Ihren nächsten Lebensabschnitt vorstellen und was Sie tun können, um dorthin zu gelangen.

Denken Sie also darüber nach, was Ihnen tatsächlich Kraft im Leben gibt. Können Sie eine bestimmte Tätigkeit damit verbinden? Was ist Ihnen wichtig und welche Werte sind Ihnen, zum jetzigen Zeitpunkt, insbesondere wichtig? Warum sind sie Ihnen wichtig? Worauf sind Sie stolz und welche Facetten Ihres Lebens möchten Sie hervorheben? Was wollten Sie schon immer einmal machen, doch es fehlte die Zeit dazu, es anzugehen?

Überlegen Sie sich aber auch im Gegenzug, was Sie bisher daran gehindert hat, diesen Weg zu gehen und machen Sie sich bewusst, was Ihnen die Energie raubt, das Sie möglicherweise blockiert. Dazu gehören auch Ängste und Bedenken. Denken Sie darüber nach, ob diese Bedenken tatsächlich berechtigt sind. Oder ist es wieder einmal der Wunsch nach Sicherheit, die in Wirklichkeit immer weniger existiert, sondern einer Illusion gleicht?

Downshifting heißt nicht, träge oder faul zu sein

Wer sich mit dem Downshifting auseinandersetzt, ist kein Drückeberger. Er ist weder faul noch als überlastet anzusehen. Das mag zunächst in den Augen anderer so aussehen, aber wen interessiert das tatsächlich?

Downshifting ist hingegen ganz anders: Sie entscheiden sich dafür, sich auf die eigene Spezialität zu konzentrieren, die Ihnen Spaß macht und die Sie sich stundenlang vertiefen können. Wiederum kann es bedeuten, noch mehr zu arbeiten, aber wird diese Tätigkeit nicht bewusst als Arbeit empfunden.

Dennoch sind die Möglichkeiten des Downshiftings immer noch sehr vielschichtig: Das ist beispielsweise eine Art der Teilzeitarbeit, eine Kündigung des alten Jobs und der Beginn der Selbstständigkeit. Wofür Sie sich entscheiden, muss nur Ihnen allein bewusst sein. Es ist für Sie die richtige Lösung und sollte Ihren neu entdeckten Werten und Zielen entsprechen, die Sie dabei unterstützen, glücklich zu werden.

Einige mögen sich mit dem lieben Aber auseinandersetzen, das vorwiegend auf die Finanzen abzielt. Der Fremdbestimmung als Angestellter auszubrechen, bedeutet zwar, seiner Leidenschaft und seinen Interessen zu folgen, aber geht es mit einem Risiko einher. Man entscheidet sich bewusst dafür, die vormals „sichere“ Position und das sichere Einkommen aufzugeben.

Auch ist nicht jeder für eine Selbstständigkeit geeignet: Man muss selbst für Aufträge sorgen, sich selbst neu motivieren und Rückschläge als auch Fehler verkraften. Ebenso arbeitet man ohne Kollegen, hat keinen Vorgesetzten oder Chef und kann selbst entscheiden, was zu tun ist. Mit Blauäugigkeit darf man aber trotzdem nicht in die Selbstständigkeit treten. Dann ist das Downshifting sehr gefährlich. Fragen Sie sich also vorher sehr genau, ob Sie sich dem aussetzen wollen.

Die Selbstständigkeit kann die Erfüllung Ihrer Träume bedeuten, aber sollten Sie sich darüber bewusst sein, was dafür notwendig ist. Jeder ist für die Erfüllung seiner Träume selbst verantwortlich, und bis der richtige Weg gefunden ist, können nicht nur Tage oder Wochen vergehen, sondern sogar Jahre. Aber erkennt man seinen Weg erst, wenn man es auch versucht.

Bildquelle: Zach Dischner / Foter / CC BY

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