Ein flinker Schwede schreibt für Wikipedia – mithilfe eines Bot

Wikipedia: Umstritten, voll mit Informationen und immer auf dem aktuellsten Stand. Nicht alles schlecht und dennoch nicht ausreichend für Wissenschaft. Das war dem Schweden Sverker Johansson egal, denn er schreibt 10.000 Artikel am Tag. Angeblich.

Und steht für Wikipedia mit seinem Namen im Hintergrund. Ein Wissenspaket Mensch, dass sein Können und den Informationsreichtum weitergibt und durch Hunderte von Klicks stündlich erfolgsbasiert weitertreibt.

Wortsalat

Schreiblust on Tour

Seit 7 Jahren schreibt der Hobby-Autor und 2,7 Millionen von Artikeln sollen sogar seiner Feder entstammen. Damit ist er einer derjenigen, die Wikipedia tagtäglich neu zum Leben erwecken, denn durch engagierte Autoren steigt der Wert des Portals, dass sich durch den Nutzen der Sucher und Finder trägt.

Die Fachgebiete sind Flora und Fauna, aber auch Städte auf den Philippinen interessieren den Schreiber. Denn von hier stammt seine Frau, weshalb einige Schriften in der philippinischen Sprache und einige auf Schwedisch in das Wissensportal eingepflegt werden.

Ohnehin ist das Schreiben für den Beamten aus der Verwaltung keine Last, denn er liebt es im Büro zu sitzen und beschäftigt sich beruflich mit Physik, Wirtschaft und Bauingenieurswesen. Dazu ist Flora neben Fauna mit Reisetextgarnierung ein Ausgleich der besonderen Art, der nicht vom Schreibtisch reicht, aber zeitweise in eine andere „Welt“ ohne Stress und absoluten Perfektionalitätsdrang.

Was dem Klischee von Wikipedia wieder nachkäme, allerdings geht es um stimmige Fakten und die bekommen die Leser von Johansson.

Ab ins Bot

Der Text kommt über ein Softwareprogramm, dass der Autor nutzt, zu Wikipedia. Das kritisieren viele und meinen, hier würde die kreative Seite auf der Tastatur durch Microsoft und Freunde in den Programmentwürfen gestoppt.

Der BOT ist ein virtueller Assistent, der Webseiten selbstständig besucht, Seiten auswertet und Kopien einfügt. Aus den Werten kann der Texter dann neue Dinge erfinden und Webtexte schreiben. Allerdings kommt er nicht selbst auf die Zahl von 10.000 Berichten, denn sein Bot übernimmt das für ihn.

Mit dem Aufbau der neuen Textwelten. Virtuelle Texterstellung, ohne Menschenhand. Das lässt befürchten, dass der Wert verloren geht und wir irgendwann nicht mehr selbst schreiben. Allerdings werden die Texte nochmals überprüft, damit sie stilistisch nicht wie aus dem Papierkorbpuzzle klingen.

Alles was Sverker Johansson macht, ist ein Muster anzulegen. Und dann fließt der Bot-Text durch das Datengewässer. Bei Wikipedia werden die Bots schon seit Langem eingesetzt, um neuen Content zu fixieren und die neuesten Infos innerhalb kürzester Zeit einzufügen. Beispielsweise dann, wenn ein berühmter Filmstar verstorben ist.

Deshalb ist das eigentlich kein Wunder, das, wofür Verbraucher es halten: Der Datenfluss ist schneller als die Menschenhand und das kann dem SEO, dem Onlinemarketing für Wikipedia, durch die Klicks, nur zugutekommen. Denn am Ende zählt überall auf dem Globus die Wirtschaftlichkeit. Auch durch Wortmaschinen.

Deutschland gegen Schweden

Der Deutsche Achim Raschka ist gegen Bots. Er möchte kundennäher schreiben. Echte Informationen bieten und journalistisch recherchieren. Er bezeichnet Johansson als Retorte, als Bot-Kompatible, Abbild.

Dieser hingegen meint, dass seinen Artikel durchaus das Fachwissen von anderen Schreibern beigefügt werden könnte, um seine brillanten Webtexte noch mehr zur Einzigartigkeit zu bringen. Denn er fülle sie bereits mit Bildern und wichtigen Fakten.

Der Webtexter weist somit nicht von der Hand, dass mit Bots auch Fehler passieren können. Stimmung und Qualität – das könne nur von echten Autoren kommen.

Bildquelle: © aihumnoi – Fotolia.com

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