Ist ein Texter ein Journalist?

Schreiben als Berufung

Schreiben als Berufung © S. Hofschlaeger / pixelio.de

Um die brennende Frage gleich vorwegzunehmen: Nein, ist er nicht. Beide machen etwas völlig Unterschiedliches: Der Journalist begreift es, seine Meinung gekonnt zu verstecken, während der Texter und Werbetexter sie verkauft und auch in Blogartikeln, wie ich hier gerade oder in Kolumnen, mit einbaut.

Ich habe schon in vielen Genres und zu verschiedenen Themen geschrieben: Einige Leser und Auftraggeber sind total begeistert, Anderen gefällt es, wiederum Weitere kommen immer wieder und andere mögen den Stil überhaupt nicht. Manchmal kann man es drehen und wenden und man findet keine gemeinsame „Mitte“.

All das müssen Texter und Journalisten gleichermaßen durchmachen. Aber wo ist der Unterschied?

Als Kind fand ich Journalisten furchtbar, weil sie alles in der Luft zerreißen und jeden Funken als Sensation sehen. Denn es gibt wenige, die nicht auf eine heiße Story, Anerkennung durch Hochlob und dickes Honorar aus sind, sondern die wirklich eine Geschichte erzählen wollen, etwas in den Köpfen verändern möchten.

So etwas mag ich und das tue ich auch selbst in Artikeln. Dennoch ist der Unterschied, trotz des nicht geschützten Begriffes, sich nicht einfach als Journalistin zu bezeichnen. Ich weiß von einigen im Kontakt, die das tun und dennoch wirklich nicht schreiben können oder Flüchtigkeitsfehler im Text machen, sowie Rechtliches nicht kennen und nicht wissen, wie ein Radiobeitrag aufgebaut sein muss, wie ein PR–Text aussieht oder ein Ratgeberartikel, ein Werbetext; die keine Begriffe wie Headline oder Eye Catcher kennen, usw.

Da fängt es an: Als Journalist und auch als Texter MUSS ich das wissen

Das Klischee stimmt, Journalisten meckern gerne. Jedoch warum? Richtig, sie waren auf der Journalistenschule, haben gerne auch an einer Uni den Studiengang Journalistik studiert und 5 Jahre für Scheine und Prüfung gepaukt, Genres und Rollenspiele gelernt, Interviews geführt, Volontariat gemacht und sich in verschiedenen Sparten ausprobiert, bis, am Ende, nach 5 oder mehr Jahren die Berufsbezeichnung Journalist stand.

Auf der einen Seite, ist die Nörgelei berechtigt, denn das Talent steht einer freien Texterin voran – sonst können wir alle nicht schreiben. Dennoch hat der Journalist Abitur, studiert und Erfahrung in allen Gebieten gesammelt. (Auch wenn wir wissenschaftlich erwiesen, am Ende wieder viel vergessen. Ein Rechtsanwalt sagte mir einmal: “Wenn sie ein Schild an der Türe haben, heißt das noch lange nicht, dass sie alles wissen“)

Ich finde schon, dass es etwas anderes ist, als wenn jemand ohne Erfahrung im harten Geschäft einfach nur schreibt und dann auch noch auf der Kippe. Viele Journalisten nennen sich freie Texter. Das wiederum dürfen sie, denn das Studium macht, nach wie vor, Einiges aus. Wer überhaupt kein Studium, Fernstudium oder sonst was hat, wird es sehr schwer haben. Es hilft enorm, wenn man sich im literarischen Schreiben übt und die Kunst des Werbetextens von den Profis erlernt. Aber auch mit der fortwährenden Routine lernt man viel dazu, besonders wenn man damit seinen Lebensunterhalt bestreiten will.

Doch heißt das nicht, dass man einfach drauf losschreiben sollte, in der Hoffnung, dass man schon die Auftraggeber findet, die die eigenen Arbeiten gut finden. Als Texter gehören auch, neben vielem anderen, die Leidenschaft und besonders Talent dazu, sich jeden Tag hinzusetzen und zu schreiben, ohne dabei die Ausdauer und Motivation zu verlieren. Da ich selbst so ziemlich immer geschrieben habe, selbst wenn das Scheiben an sich, nicht als mein Hauptberuf zählte, ging es später umso leichter ins Blut über. Doch waren es meine gesammelten Erfahrungen und mein Willen, dazu zu lernen, die mich hierher geführt haben. Am Ende bin ich aber noch lange nicht angelangt. Das Lernen geht trotzdem weiter – und ich liebe es!

Das Ende vom Lied

Im Gegensatz zu Textern sind Journalisten sehr viel außer Haus unterwegs, interviewen, schreiben für große Blätter oder Magazine, kennen bedeutende Leute, neben dem Studiumabschluss, und verdienen hier und da Unmengen. Dennoch gibt es Journalisten, die für eine gute Story den Roller eines, gerade durch einen Autounfall getöteten, Mädchens fotografieren. Mehr dazu will ich nicht sagen …

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Eine freie Texterin und Werbetexterin schreibt, auch ohne journalistischen Begriff, gut und verkauft in erster Linie Dinge, Produkte, Gebiete und Sachkenntnis, während der Journalist auf eine Story aus ist, hervorbringt, sarkastisch ist, interviewt oder Tagesgeschehen kredenzt.

Und: Viele Schriftsteller sind Journalisten. Mit weiteren Ausführungen könnte ein ganzes Buch gefüllt werden.

„Fußnote“: Dieser Blogbeitrag unterstreicht nur meine persönliche Meinung und muss keineswegs, die der Allgemeinheit darstellen. Auch ist es keine Anprangerung des Journalistenberufs, sondern zeigt dieser Artikel nur Facetten und Unterschiede auf, die ich zu beiden Berufen aufzeigen möchte, aber nicht jedermanns Meinung darstellen muss.

Print Friendly
Stichworte:, ,