Wählen gehen? Wie soll das gehen, wenn die Glaubwürdigkeit fehlt?

Mit Vertrauen und Glaubwürdigkeit folgt die Reputation

Mit Vertrauen und Glaubwürdigkeit folgt die Reputation © XtravaganT – Fotolia.com

Der Wahlschein für die Wahl im September ist heute in meinem Briefkasten gelandet. Gut soweit, ich soll wählen gehen. Aber wen soll ich bitteschön wählen? Von der Politik halte ich gewöhnlich nichts, da immer wieder was Neues gesagt wird, dann widerlegt wird, Petitionen folgen, und wenn der Schuldenberg anderer Länder wächst, hilft Deutschland natürlich aus. Aber was ist mit Deutschland selbst?

Dem, was in der Politik gesprochen wird, höre ich kaum mehr noch zu, weil man nicht immer sicher sein kann, dass tatsächlich die Wahrheit gesprochen wird. Denn wir sind es inzwischen gewöhnt, belogen zu werden. Denn zu Wahlkampfzeiten kommen Versprechen, von denen man aber niemals weiß, ob sie durchgesetzt werden. Aber dabei sehe ich ein Versprechen so, dass es auch eingehalten werden sollte. Sehr oft geht man bei Entscheidungen auch nach Sympathie.

Wie glaubwürdig kann man in der Politik noch sein?

Politik ist keines meiner Fachthemen, über die ich gewöhnlich schreibe. Dieser Blogbeitrag ist viel mehr daraus entstanden, weil mal wieder eine Entscheidung von uns Bürgern verlangt wird. Aber Entscheidungen, mit denen man auch persönlich zufrieden sein kann, basieren auf Vertrauen. Ist aber einmal ein negativer Beigeschmack entstanden, bleibt dieser meist sehr lange bestehen.

Gewissermaßen kann man dies auch auf die eigene Unternehmenspräsentation auslegen. Denn Glaubwürdigkeit und Vertrauen braucht es immer, bevor sich ein Interessent und Kunde für die eigene Dienstleistung entscheidet. Im Internet werden Nachrichten und neue „Schandtaten“ sehr schnell verbreitet – besonders wenn es um Katastrophen und Fauxpas bekannter Persönlichkeiten geht. Dann hat man wieder etwas zur Hand, worüber man lästern, diskutieren und natürlich auch schreiben kann. Aber nach einigen Wochen ist auch darüber wieder Gras gewachsen.

Als frischer Unternehmer und Existenzgründer muss man Einiges dafür tun, um sich zu präsentieren, sich einen Namen zu machen und seine Glaubwürdigkeit zu stärken, die man durch sein eigenes Wissen und Aktivität sowie Kontinuität aufbauen kann. Das Vertrauen zu Nutzern, Interessenten und Kunden muss aufgebaut werden, wird dieses erschüttert, durch eine Reklamation, einen schlechten Kundenservice oder Produkte von schlechter Qualität, entsteht natürlich auch hier ein Beigeschmack, den man ganz schnell wieder vergessen möchte. Aber so einfach ist das natürlich nicht.

Einmal eine schlechte Erfahrung und schon hat sich dies in die Gehirne der Kunden und Nutzer gebrannt. Da kann es genauso passieren, dass schlechte Bewertungen, die über das eigene Unternehmen im Internet auftauchen, das Vertrauen so dermaßen erschüttern, dass man sein Geld lieber woanders lässt. Denn Googeln ist für viele Menschen inzwischen die erste Handlung, wenn man sich mit einem neuen Unternehmen auseinandersetzt.

Alles, was öffentlich ausgesprochen oder einsehbar ist, wird auf die Goldwaage gelegt

Hat man einmal eine schlechte Erfahrung gemacht, geht man schnurstracks davon aus, dass dies immer so sein wird. Man möchte gerne nicht dermaßen engstirnig sein, aber so ist es leider. Mit schlechten Erfahrungen folgen Skepsis und Gegenwehr. Aber gerade dann ist es wichtig, sich mit den schlechten Bewertungen auseinanderzusetzen, diese anzunehmen und als Verbesserungspotenzial zu nutzen. Wenn man diese aber nur aussitzt, verstärkt das nur das negative Gefühl. Das Warten wird als negativ ausgelegt, daher ist effektive PR-Arbeit auch so wichtig, um ein erschüttertes Vertrauen wieder aufzubauen. Das wird uns allen wohl nun auch blühen: Die Wahlkandidaten werden versuchen, ihr Image wieder aufzupolieren. Darüber folgt auch das Quäntchen an Sympathie.

Jetzt heißt es wohl für mich, abzuwarten, was „versprochen“ wird, abzuwägen, ob diese Versprechen auch realistisch und durchsetzbar erscheinen und dann zu entscheiden. Aber einen Großteil werde ich sicherlich wieder nach der Sympathie entscheiden. Wenn ich einfach nur danach ginge, würde ich Angela Merkel wahrscheinlich nicht wählen. Dennoch wird es vermutlich dennoch die CSU sein, die in Bayern die Oberhand haben wird – so wie es immer gewesen ist.

Es sei denn, wenn sie etwas mehr Sympathie zum Tragen bringt. Davon kann man besonders in letzter Zeit etwas mehr von ihr vernehmen. Allerdings sieht das bei der lieben Kanzlerin leider noch ziemlich verkrampft aus, wenn sie einen Witz reißt oder diese Wirkung erzeugen möchte. Da haben wir es mal wieder: Sympathie entscheidet immer gerne und unterstützt die Glaubwürdigkeit. Wem ich dann nun im September das Kreuzchen verpassen werde, weiß ich noch nicht. Aber das Bauchgefühl wird sicherlich wieder den Vorrang erhalten. Das Wählen werde ich aber trotzdem nicht aufgeben.

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